Presseaussendung anlässlich des Internationalen Mädchen*tages am 11. Oktober 2026

Der Verein sprungbrett zieht alljährlich anlässlich des internationalen Mädchen*tages am 11. Oktober Bilanz: Wie geht es jungen Frauen* in Wien, welche Themen beschäftigen sie, welche Sorgen und Hoffnungen haben sie? Vor allem der angespannte Lehrstellenmarkt setzt junge Frauen* unter Druck. Und während die Anforderungen des Arbeitsmarktes steigen, wird es für das überlastete Bildungssystem zunehmend schwieriger, Jugendliche darauf ausreichend vorzubereiten.
In der Beratungsstelle sprungbrett ist es überall zu spüren: die Verzweiflung unter den jungen Frauen und TIN*-Personen, die ohne Perspektive, ohne Schul- oder Lehrplatz dastehen, ist im Herbst besonders groß. „Ich glaub schon gar nicht mehr, dass eine Antwort kommt“, erzählt eine Jugendliche, nach vielen, ergebnislosen Bewerbungen für eine Lehrstelle. „Es gibt so viele Schulen in Wien, irgendwo muss es doch einen Platz für mich geben. Aber es ist alles voll“, berichtet eine andere.
Die Nachfrage nach Beratung im sprungbrett ist hoch, die Zahl der Neueintritte stieg im September im Vergleich zum Vorjahr um 46,7%. Folglich mussten viele der Jugendlichen lange auf Termine warten. „Nach dem Sommer kommt oft die Erkenntnis: ich habe keinen Schulplatz und aus der Lehre wurde nichts. Dann geraten die Jugendlichen in Panik und melden sich bei uns“, berichtet Domenica Pirngruber, Beraterin im sprungbrett. In der Beratung gehe es dann vor allem um die Entwicklung von Alternativen, um die Gestaltung von Überbrückungszeiten, um Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Ausbildung.
Der angespannte Lehrstellenmarkt erschwert dabei die Suche. Im September meldete das AMS Wien 5.551 lehrstellensuchende Personen auf 611 offene Lehrstellen. Das sind 12,2% weniger Lehrstellen als im Vorjahr. Zusätzlich ist das, was Unternehmen von angehenden Lehrlingen erwarten, oft deutlich mehr als das, was die Jugendlichen aus der Schule mitbringen. Es fehlt an Basiskompetenzen in Mathematik oder Deutsch und auch für Berufsorientierung fehlen im Schulsystem die Ressourcen. Nicht zuletzt erschweren bei jungen Frauen* Mehrfachbelastungen und strukturelle Hürden den erfolgreichen Eintritt in eine Ausbildung. Dazu zählen u.a. psychische Belastungen, existenzielle finanzielle Herausforderungen, Vorbehalte von Unternehmen gegenüber kopftuchtragenden Bewerberinnen* oder eine hohe Verantwortung für unbezahlte Care Arbeit.
„Junge Frauen* haben ein Recht auf Bildung, das sind wir ihnen als Gesellschaft schuldig“, betont Martina Fürpass, Geschäftsführerin des Vereins sprungbrett. „Es kann nicht sein, dass motivierte junge Menschen, nach erfolgreichem Abschluss der Pflichtschule, keine anschließende Ausbildung finden. Eine offene Lehrstelle für 9 Lehrstellensuchende, die Rechnung kann sich nicht ausgehen. Hier ist die Politik gefordert und auch Unternehmen tragen eine soziale Verantwortung“, schließt Fürpass.
„Was Hoffnung gibt, ist, wenn junge Frauen* trotz hoher Belastungen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern gemeinsam mit uns den nächsten Schritt gehen“, berichtet Pirngruber. Das sprungbrett unterstützt junge Frauen* bei der Berufsorientierung, der Lehrstellensuche, aber auch beim Umgang mit finanziellen Sorgen, bei der Wohnungssuche, in Krisen oder bei Gewalterfahrungen. Die Berater:innen nehmen die Jugendlichen ernst, entwickeln gemeinsam mit ihnen realistische Perspektiven und stärken sie dabei, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.
Sie möchten den internationalen Mädchen*tag am 11. Oktober nutzen, um über die Situation junger Frauen* in Österreich zu berichten?
Sie möchten die Expertise unserer Berater:innen nutzen? Gerne organisieren wir Interviews und stellen Informationen bereit.
Kontakt:
Mag.a Anja Gurtner, MA
Leitung Öffentlichkeitsarbeit
0677/64329855
anja.gurtner(at)sprungbrett.or.at
C: Hanna Fasching
